Im Westen nichts neues

Tja, das hab ich mir wohl so gedacht: Blog aufsetzen, #52-Projekt anfangen, das wird schon laufen. Ähm, nein.

Ich geb’s ja zu: Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die immer irgend etwas anfängt, große Pläne schmiedet, und dann entweder gar nicht aus dem Quark kommt oder nix wirklich zu Ende bringt. Von daher hätte mir klar sein müssen, dass ich für so etwas wie ein #52-Projekt einfach nicht geeignet bin. Jetzt habe ich diverse Ideen und halbausgegorene Bildskizzen im Kopf, und finde immer wieder einen Grund, sie vor mir herzuschieben. Und je länger ich schiebe, um so länger ist das letzte Update her, umso sinnloser kommt mir das ganze vor, umso größer ist die Versuchung, alles weiterzuschieben, etc pp. Ist ja nicht so, dass ich diese Erkenntnis nicht schon Ende Januar gehabt hätte. Narf.

Außerdem fühle ich mich seit Chernobyl irgendwie kreativ ausgelutscht. Jedesmal, wenn ich meine Bilder aus der Zone öffne und endlich mal mit dem bewerten und sortieren (geschweige denn ausbelichten oder bearbeiten) anfangen will, kommt mir alles, was ich mitgebracht habe, einfach so belanglos, uninspiriert und banal vor. Zeug, das jeder Idiot mit dem Iphone hätte schießen können. Keine Vision, keine Komposition. Natürlich ist im Vergleich zu dem, was in Chernobyl passiert ist, alles trivial – aber ist es zu viel verlangt, zu erwarten, dass meine Bilder wenigstens ansatzweise das Gefühlte, den Eindruck, die Wucht des Ortes widerspiegeln sollen?

Und so gibt es erst mal auch weiterhin im Westen nichts neues.

#NichtMeinPräsident

Die Bundesversammlung hat heute also Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten gewählt vereinbarungsgemäß einen neuen Posten zugeschachert. Natürlich war nichts anderes zu erwarten, denn beide Koalitionspartner kleben wie zementiert an ihren Regierungssesseln und vermeiden es daher wie der Teufel das Weihwasser, sich mit dem jeweils anderen zu überwerfen, und diesmal war eben die Verräterpartei SPD an der Reihe beim großen Sessel-Proporz. Aber spielt das überhaupt eine Rolle? Gilt doch der Bundespräsident seit jeher als Grüßaugust, der nichts zu entscheiden hat und höchstens ab und zu eine erbauliche Rede an das Volk halten darf. Und seit Wulff wird das Amt ohnehin als Lachnummer wahrgenommen. Warum also sich über Steinmeier aufregen?

Weil die Ernennung dieses Mannes zum Bundespräsidenten eine Katastrophe ist. Steinmeier ist nicht nur irgendein Sesselfurzer, der von einem beliebigen Amt ins nächste umgeschichtet wird. Er ist der Mann, der im Kanzleramt das Sagen hatte, als man dort der NSA großzügig erlaubt hat, uns Deutsche flächendeckend zu bespitzeln. Und als er später darauf angesprochen wurde, hatte er nicht mal genug Arsch in der Hose, das zuzugeben, sondern konnte sich plötzlich an nichts erinnern. Klar, das hat in der deutschen Politik natürlich Tradition – schon unter Adenauer konnte sich keiner daran erinnern, in der NSDAP gewesen zu sein, und vergessen wir nicht (hrhr) Wolfgang Schäuble, der mal eben kofferweise Bargeld vergessen kann, aber trotzdem als vertrauenswürdig genug gilt, das Vermögen des deutschen Staates zu verwalten. Eine erbärmliche Schande ist es trotzdem.

Noch schwerer aber wiegt Steinmeiers Rolle im Falle Murat Kurnaz. Wer das nicht mehr auf dem Radar hat (die Medien hatten anscheinend kein großes Interesse, die Geschichte anlässlich von Steinmeiers „Wahl“ noch mal rauszukramen), sei kurz erinnert: Kurnaz ist ein in Deutschland geborener und aufgewachsener türkischer Staatsbürger, der von der CIA entführt, nach Guantanamo verschleppt und dort jahrelang gefoltert wurde. Als den Amis dann 2002 aufgefallen ist, dass sie einen Unschuldigen vor sich haben, haben sie Deutschland angeboten, ihn freizulassen und nach hause zu bringen. Steinmeier hat das verhindert. Als Kurnaz 2006 freikam, konnte sich unser neuer Bundespräsident, diese moralische Instanz für die ganze Republik, mal wieder nicht daran erinnern. 2007 sagte er dann aber doch, dass er jederzeit wieder so entscheiden würde. Ein Mann mit Prinzipien also.

Das also soll der neue Landesvater der BRD sein: jemand, der über Leichen geht, Unschuldige ohne mit der Wimper zu zucken opfert, bis zum Anschlag im Enddarm der amerikanischen Regierungen steckt und einen eklatanten Mangel an Rückgrat, Ehrgefühl oder Empathie zeigt. Und dieser Mann soll Deutschland nun in den nächsten fünf Jahren international vertreten und als Staatsoberhaupt der Bundesrepublik dienen? Nein danke.

Out of Order

Na das ging ja schnell. Das Jahr ist vier Wochen alt und ich bin mit meinem 52-Wochen-Projekt #vnv52 schon eine Woche hintendran.

In meinem Kopf tummeln sich halbfertige Ideen und fertige Konzepte, aber allen ist gemeinsam, dass irgend eine Komponente zur Realisierung fehlt – sei es ein bestimmtes Requisit, eine bestimmte (noch zu findende, aber in meinem Kopf schon exakt vorhandene) Location oder einfach nur passendes Wetter. Und irgendwie will sich keine Inspiration zur Improvisation einstellen.

Ja, ich weiß – wie Zack Arias gerne zitiert: „Fuck inspiration. Inspiration is for amateurs. The rest of us just show up to work.“ In diesem Sinne werde ich schon einen Weg finden, die derzeitige Blockade zu durchbrechen. Und spätestens nächstes Wochenende wird der Rückstand aufgeholt. So oder so.

#vnv52 Week 3: „Through the Storm Clouds“

This week, again some classic machinery from days past. Embarking on a dangerous flight through dark skies.

„Perpetual“ is easily one of VNV’s most popular songs. It’s a classic show closer with the audience singing the hook line a capella as the band closes down. It’s also a wonderfully hopeful and optimistic song.

But it’s not just shiny happy puppies and unicorns and shit. Because, you know, TANSTAAFL. To me, it is (among other things) also a song about perseverance. About marching on. Not giving up.

The storm clouds are heavy. These days, as the spectre of fascism rears its ugly head again in Germany, France, the USA and other places, they are darker than usual. But we’re not going to roll over. We’re not going to back down. And through the storm fronts we will ever surely pass. To stand as never ending light.

And yes, I know. Adding the band logo to the plane is tacky. Whatever. My blog, my photo, my fun 😉

#vnv52 Week 2: „Machines of Radiant Design“

I admit it: I’m a sucker for retrofuturism. I love airships, chrome, tailfins, streamlines, art deco, you name it. I’d probably choose to live in the Gernsback Continuum if I could.

When VNV Nation released Futureperfect, its echoes of that lost future that never was haunted me. When the band released Automatic, I was elated. From the cover design to the lyrics of songs like „Space & Time“ or „Streamline“, the album offers a trip into that parallel world that was not to be. A world that was supposed to arise triumphantly after the catastrophe of World War I, borne from the endless optimism of a time when mankind thought everything was possible. A perfect world that we never built because fascism, the cold war and a runaway monster capitalism (and now the looming threat of a nascent new fascism) pushed it aside, devoured it and spit out the cold, technocratic world we live in today. Dreams we abandoned once and for all when after Apollo 17 we stopped going into space.

Transnational picked up on that theme again, and those two albums are a package without equal.

A little part of that world – or rather of the seeds that wanted to grow into it before being brutally crushed – still survives today in classic cars and selected pieces of architecture. Which is why one of my favorite places in Germany (that is not abandoned) is the Technikmuseum Speyer. It’s the place where an actual Boeing 747 suspended on steel pillars eight stories high meets 1920s Mercedes prototypes meets an honest-to-gods Buran.

This picture, taken at Speyer, is a detail from a 1939 Opel Kapitän. The hood ornament looks like an art deco locomotive blazing a trail into the future. A future I still long for.

„Machines of radiant design bear silent witness to a golden age.“ Alas, an age that was not to be.

#vnv52 Week 1: „Everything“

So this year I decided to finally do a 52 project. For those who don’t know, it’s a year long project where a photographer produces one image per week (thus 52) that are usually connected by a common theme. At the Automatic Empire show in Munich I spontaneously decided on trying to express my favorite VNV Nation lyrics through pictures, so here we are. For those of you who don’t know VNV Nation: Check them out now. Their music is powerful and hauntingly beautiful. The lyrics are even more so. Seriously, every time that band releases an album, I’m like „get the fuck out of my head and stop reading my thoughts, Ronan.“ VNV Nation is therapy. Hope. Joy. Rage. Pathos. Passion. Strength. Catharsis.

So anyway, back to the picture. The first week is given to a special quote that played a very important role for me three years ago. My landlady had told me she was canceling my lease, all other places I looked at were either at the ass end of nowhere or too expensive for me, and anyway I was having doubts about my job as I felt I was going nowhere. As is my wont, I began spiralling into despair internally while doing my best not to show it too much on the outside. As I’m about to throw in the towel and just let things happen on their own, along comes a song that starts with these magical words. „Don’t tell me it’s the end of everything. It always seems the darkest before the light.“ It was like a straw to a drowning man, and I clung to it.

Shortly after that, a surprising opportunity opened up to rent a beautiful space right above my girlfriend’s, close to my office. Having a friendly connection with the realtor involved (after we already sourced my gf’s apartment through her), I got bumbed to the top of the queue before the place was even listed. And just like that, the storm clouds cleared.

You’re right, Ronan. It truly does seem the darkest before the light.

As for the picture, my original plan was to do a 52 project featuring Danbo in various situations. I’m glad a better idea came along as Danbo 52s are so cliché by now, but I couldn’t resist featuring him right in the beginning. Perhaps I’ll allow him to pop up a few more times 😉

Neues Jahr, neues Blog

So, nach dem Redesign der Blende Sechzehn-Homepage habe ich mich jetzt tatsächlich noch mal ersnthaft mit dem Thema „Blog“ beschäftigt. Für längere geistige Ergüsse, die nicht auf Twitter passen und irgendwie zu schade für Facebook-Exklusivität sind, habe ich hier jetzt also noch einen Kanal, um euch vollzulabern. Wenn’s überhaupt jemand liest 😉