Juhu, Datenschutz

Da die DSGVO kommt und eine Menge Rechtsunsicherheit mitbringt (klar, man kann sich schon informieren, nur bekommt man halt zu manchen Fragen aus drei Quellen fünf verschiedene Antworten), werde ich die Kommentarfunktion bis auf weiteres deaktivieren. Mal schauen, wie sich das in den nächsten Monaten noch so entwickelt.

Wir sind AfD – und teuer

Dass man die AfD mit Fug und Recht als rechtsextreme Partei bezeichnen kann, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Die einzigen, die dieser Bezeichnung bis heute vehement widersprechen, sind – eh klar – die Rechtsextremen und deren Mitläufer von der AfD. Die einfachste Möglichkeit, den Rechtsextremismus der AfD zu belegen, sind natürlich die entsprechenden Äußerungen diverser Parteifunktionäre. Dazu gibt es eine Website, die unter der Adresse

www.wir-sind-afd.de

diverse entlarvende, offen rassistische und rechtsradikale Parolen von AfD-Granden wie Bernd Höcke und deren Knechten aus den Niederungen des braunen Sumpfs dokumentiert. Und da alle diese Zitate mit Quellen belegt sind, hat die AfD rechtlich keine Handhabe dagegen.

Also haben sich die Rechtsextremen eine besonders perfide Hintertür gesucht: das Namensrecht. Dann da die Adresse die Buchstaben „afd“ enthält, reklamiert die Partei für sich ein Anrecht auf diese Domain – der unbedarfte Verbraucher könnte ja denken, es handele sich um einen offiziellen Internetauftritt der Partei. Die unendliche Schwachsinnigkeit dieser Argumentation erschließt sich jedem normal denkenden Menschen natürlich auf den ersten Blick. Und so verwundert es dann auch nicht wirklich, dass die fähige deutsche Justiz den Blaubraunen in erster Instanz trotzdem Recht gegeben hat.

Für den Betreiber wird das ganze damit ein teurer Spaß. Alleine für die Verarsche in der ersten Instanz sitzt er zur Zeit auf runden 9.500 Euro Kosten. Und eine Berufung – deren Erfolg auch nicht garantiert ist – würde das mindestens verdoppeln. Deshalb gibt es eine Hilfsaktion, um Nathan beim Stemmen dieser Kosten unter die Arme zu greifen:

https://www.leetchi.com/c/hilfe-fuer-zeitschlag

IMO eine unterstützenswerte Angelegenheit, gilt es doch, zu verhindern, dass die AfD kritische Stimmen einfach durch juristische Winkelzüge mundtot macht. Vor allem, weil die Rechtsextremen durch ihren Einzug in den Bundestag und die damit verbundene staatliche Parteienfinanzierung ihre Kosten einfach aus unseren Steuern decken können.

In diesem Sinne: Klickt auf den Link, lest es euch durch, und denkt drüber nach, ob ihr ein paar Mark locker machen könnt. Denn eines ist inzwischen glasklar: Die AfD ist der gefährlichste Feind der Demokratie in Deutschland, und wir können ihn nur gemeinsam bekämpfen.

#Chroma 1

Wie ihr vielleicht (aber wahrscheinlich nicht) mitbekommen habt, war ich Anfang Januar in Berlin, um bei einem Workshop mit Nick Fancher mitzumachen. Wer Nick nicht kennt: Er ist ein Fotograf aus Columbus, Ohio, der für seine experimentelle und kreative Lichtsetzung bekannt ist. Von ihm sind die Bücher Studio Anywhere und Studio Anywhere 2: Hard Light, die ich jedem, der sich für die Materie interessiert, nur wärmstens empfehlen kann. Im Sommer erscheint sein neues Buch Chroma, das, wie der Name schon andeutet, auf das Spiel mit Farben ausgelegt ist.

Eigentlich war für Berlin ein „Studio Anywhere“-Workshop angekündigt, aber nachdem alle Teilnehmer keinen Bock auf Grundlagen hatten, sondern vor allem Nicks Farbtechniken lernen wollten, hat er das ganze entsprechend angepasst und so kamen wir (mit etwas Improvisation) in den Genuss des allerersten „Chroma“-Workshops.

Star Girl

Nick hatte für den Tag zwei Models organisiert. Vormittags stand die bezaubernde Sydney LaFaire vor den versammelten Kameras. Nach ein paar Basics (Lichtformer, gerichtetes weiches Licht, invisible black background, Flash und Ambient ausbalancieren) wurde es dann auch recht schnell ziemlich bunt. Der Vormittag reichte erstmal für vier Techniken: „#Chroma 1“ weiterlesen

Neustart! Neustart? Schon wieder?

Letztes Jahr lief ja nicht gerade optimal. Mehrmals habe ich mir selbst einen fotografischen Neustart verschrieben und bin mehrmals gescheitert. Ein wichtiger Grund dafür war sicher Tschernobyl. Nie ist mir mein Bildwerk dermaßen belanglos und unzulänglich vorgekommen wie im Rückblick auf diese wahnsinnige Katastrophe. Wie soll ein Foto jemals ausdrücken, was man an diesem Ort empfindet? Unmöglich. Irgendwann willst du Lightroom gar nicht mehr öffnen, weil du die Zeugnisse deines Versagens nicht mehr sehen kannst. 

Was gibt es da besseres, als sich ein paar bescheuerte „gute Vorsätze“ für das neue Jahr zu machen? Bekanntlich landen die ja nach einem Monat auch alle in der Tonne. Aber hey – man kann ja versuchen, das symbolische Datum für sich zu nutzen.

Gestern war ein erster Schritt in die richtige Richtung: der Studio Anywhere-Workshop mit Nick Fancher (ja, darüber werde ich noch etwas ausführlicher bloggen). Und siehe da: mit einer Gruppe von Fotografen Setups auszuprobieren, zu experimentieren und zu sehen, wie jede(r) aus dem mehr oder weniger gleichen Setting völlig unterschiedliche Dinge herausholt, ist spaßig, faszinierend und motivierend – und vor allem mit dem Konsumieren von reiner Theorie aus Büchern und Tutorials nicht zu vergleichen. Denn das ist auch eines meiner Lieblingsprobleme: Ich sauge Techniken und Theorien auf, schaffe es aber nicht, diese praktisch umzusetzen. Genauso, wie ich Equipment und Zeug ansammle, das ich nicht wirklich benutze. Gerade Nicks minimalistischer Ansatz (2 Blitze, ein Lichtstativ, und wenn’s hochkommt, eine kleine Softbox) war da sehr erfrischend. Und daher rufe ich 2018 für mich persönlich zum Jahr der Praxis aus. Mein Equipment wirklich kennenlernen, Setups ausprobieren, durchspielen und einsetzen, Shootings ansetzen und durchziehen.

Dieses Jahr werde ich auch versuchen, #vnv52 doch noch fertigzustellen. Da ich aber gelernt habe, dass ich mir mit regelmäßigen Pflichtterminen eher schade, werde ich mich nicht auf einen wöchentlichen Rhythmus festlegen, sondern einfach zusehen, dass nach und nach die Gesamtzahl von 52 Bildern zusammen kommt. Und wenn ich im Lauf des Jahres 12 anständige Shootings hinbekomme – egal, wie sich diese zeitlich verteilen – tue ich am Ende einfach so, als hätte ich ganz penibel ein Shooting pro Monat veranstaltet.

Das sind die Kennzahlen für 2018: 52 und 12. Ohne Deadlines und Termindruck.

Drückt mir die Daumen. Falls das hier überhaupt irgend jemand liest.

Im Westen nichts neues

Tja, das hab ich mir wohl so gedacht: Blog aufsetzen, #52-Projekt anfangen, das wird schon laufen. Ähm, nein.

Ich geb’s ja zu: Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die immer irgend etwas anfängt, große Pläne schmiedet, und dann entweder gar nicht aus dem Quark kommt oder nix wirklich zu Ende bringt. Von daher hätte mir klar sein müssen, dass ich für so etwas wie ein #52-Projekt einfach nicht geeignet bin. Jetzt habe ich diverse Ideen und halbausgegorene Bildskizzen im Kopf, und finde immer wieder einen Grund, sie vor mir herzuschieben. Und je länger ich schiebe, um so länger ist das letzte Update her, umso sinnloser kommt mir das ganze vor, umso größer ist die Versuchung, alles weiterzuschieben, etc pp. Ist ja nicht so, dass ich diese Erkenntnis nicht schon Ende Januar gehabt hätte. Narf.

Außerdem fühle ich mich seit Chernobyl irgendwie kreativ ausgelutscht. Jedesmal, wenn ich meine Bilder aus der Zone öffne und endlich mal mit dem bewerten und sortieren (geschweige denn ausbelichten oder bearbeiten) anfangen will, kommt mir alles, was ich mitgebracht habe, einfach so belanglos, uninspiriert und banal vor. Zeug, das jeder Idiot mit dem Iphone hätte schießen können. Keine Vision, keine Komposition. Natürlich ist im Vergleich zu dem, was in Chernobyl passiert ist, alles trivial – aber ist es zu viel verlangt, zu erwarten, dass meine Bilder wenigstens ansatzweise das Gefühlte, den Eindruck, die Wucht des Ortes widerspiegeln sollen?

Und so gibt es erst mal auch weiterhin im Westen nichts neues.

#NichtMeinPräsident

Die Bundesversammlung hat heute also Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten gewählt vereinbarungsgemäß einen neuen Posten zugeschachert. Natürlich war nichts anderes zu erwarten, denn beide Koalitionspartner kleben wie zementiert an ihren Regierungssesseln und vermeiden es daher wie der Teufel das Weihwasser, sich mit dem jeweils anderen zu überwerfen, und diesmal war eben die Verräterpartei SPD an der Reihe beim großen Sessel-Proporz. Aber spielt das überhaupt eine Rolle? Gilt doch der Bundespräsident seit jeher als Grüßaugust, der nichts zu entscheiden hat und höchstens ab und zu eine erbauliche Rede an das Volk halten darf. Und seit Wulff wird das Amt ohnehin als Lachnummer wahrgenommen. Warum also sich über Steinmeier aufregen?

Weil die Ernennung dieses Mannes zum Bundespräsidenten eine Katastrophe ist. Steinmeier ist nicht nur irgendein Sesselfurzer, der von einem beliebigen Amt ins nächste umgeschichtet wird. Er ist der Mann, der im Kanzleramt das Sagen hatte, als man dort der NSA großzügig erlaubt hat, uns Deutsche flächendeckend zu bespitzeln. Und als er später darauf angesprochen wurde, hatte er nicht mal genug Arsch in der Hose, das zuzugeben, sondern konnte sich plötzlich an nichts erinnern. Klar, das hat in der deutschen Politik natürlich Tradition – schon unter Adenauer konnte sich keiner daran erinnern, in der NSDAP gewesen zu sein, und vergessen wir nicht (hrhr) Wolfgang Schäuble, der mal eben kofferweise Bargeld vergessen kann, aber trotzdem als vertrauenswürdig genug gilt, das Vermögen des deutschen Staates zu verwalten. Eine erbärmliche Schande ist es trotzdem.

Noch schwerer aber wiegt Steinmeiers Rolle im Falle Murat Kurnaz. Wer das nicht mehr auf dem Radar hat (die Medien hatten anscheinend kein großes Interesse, die Geschichte anlässlich von Steinmeiers „Wahl“ noch mal rauszukramen), sei kurz erinnert: Kurnaz ist ein in Deutschland geborener und aufgewachsener türkischer Staatsbürger, der von der CIA entführt, nach Guantanamo verschleppt und dort jahrelang gefoltert wurde. Als den Amis dann 2002 aufgefallen ist, dass sie einen Unschuldigen vor sich haben, haben sie Deutschland angeboten, ihn freizulassen und nach hause zu bringen. Steinmeier hat das verhindert. Als Kurnaz 2006 freikam, konnte sich unser neuer Bundespräsident, diese moralische Instanz für die ganze Republik, mal wieder nicht daran erinnern. 2007 sagte er dann aber doch, dass er jederzeit wieder so entscheiden würde. Ein Mann mit Prinzipien also.

Das also soll der neue Landesvater der BRD sein: jemand, der über Leichen geht, Unschuldige ohne mit der Wimper zu zucken opfert, bis zum Anschlag im Enddarm der amerikanischen Regierungen steckt und einen eklatanten Mangel an Rückgrat, Ehrgefühl oder Empathie zeigt. Und dieser Mann soll Deutschland nun in den nächsten fünf Jahren international vertreten und als Staatsoberhaupt der Bundesrepublik dienen? Nein danke.

Out of Order

Na das ging ja schnell. Das Jahr ist vier Wochen alt und ich bin mit meinem 52-Wochen-Projekt #vnv52 schon eine Woche hintendran.

In meinem Kopf tummeln sich halbfertige Ideen und fertige Konzepte, aber allen ist gemeinsam, dass irgend eine Komponente zur Realisierung fehlt – sei es ein bestimmtes Requisit, eine bestimmte (noch zu findende, aber in meinem Kopf schon exakt vorhandene) Location oder einfach nur passendes Wetter. Und irgendwie will sich keine Inspiration zur Improvisation einstellen.

Ja, ich weiß – wie Zack Arias gerne zitiert: „Fuck inspiration. Inspiration is for amateurs. The rest of us just show up to work.“ In diesem Sinne werde ich schon einen Weg finden, die derzeitige Blockade zu durchbrechen. Und spätestens nächstes Wochenende wird der Rückstand aufgeholt. So oder so.

#vnv52 Week 3: „Through the Storm Clouds“

This week, again some classic machinery from days past. Embarking on a dangerous flight through dark skies.

„Perpetual“ is easily one of VNV’s most popular songs. It’s a classic show closer with the audience singing the hook line a capella as the band closes down. It’s also a wonderfully hopeful and optimistic song.

But it’s not just shiny happy puppies and unicorns and shit. Because, you know, TANSTAAFL. To me, it is (among other things) also a song about perseverance. About marching on. Not giving up.

The storm clouds are heavy. These days, as the spectre of fascism rears its ugly head again in Germany, France, the USA and other places, they are darker than usual. But we’re not going to roll over. We’re not going to back down. And through the storm fronts we will ever surely pass. To stand as never ending light.

And yes, I know. Adding the band logo to the plane is tacky. Whatever. My blog, my photo, my fun 😉

#vnv52 Week 2: „Machines of Radiant Design“

I admit it: I’m a sucker for retrofuturism. I love airships, chrome, tailfins, streamlines, art deco, you name it. I’d probably choose to live in the Gernsback Continuum if I could.

When VNV Nation released Futureperfect, its echoes of that lost future that never was haunted me. When the band released Automatic, I was elated. From the cover design to the lyrics of songs like „Space & Time“ or „Streamline“, the album offers a trip into that parallel world that was not to be. A world that was supposed to arise triumphantly after the catastrophe of World War I, borne from the endless optimism of a time when mankind thought everything was possible. A perfect world that we never built because fascism, the cold war and a runaway monster capitalism (and now the looming threat of a nascent new fascism) pushed it aside, devoured it and spit out the cold, technocratic world we live in today. Dreams we abandoned once and for all when after Apollo 17 we stopped going into space.

Transnational picked up on that theme again, and those two albums are a package without equal.

A little part of that world – or rather of the seeds that wanted to grow into it before being brutally crushed – still survives today in classic cars and selected pieces of architecture. Which is why one of my favorite places in Germany (that is not abandoned) is the Technikmuseum Speyer. It’s the place where an actual Boeing 747 suspended on steel pillars eight stories high meets 1920s Mercedes prototypes meets an honest-to-gods Buran.

This picture, taken at Speyer, is a detail from a 1939 Opel Kapitän. The hood ornament looks like an art deco locomotive blazing a trail into the future. A future I still long for.

„Machines of radiant design bear silent witness to a golden age.“ Alas, an age that was not to be.