штурмовщина

Wir Deutschen werden ja oft darum beneidet, dass unsere Sprache für wirklich alles ein passendes Wort kennt (von Wanderlust über Schadenfreude bis Fahrvergnügen). Aber manchmal haben uns andere Sprachen etwas voraus, in diesem Fall Russisch: штурмовщина.

Ein Überbleibsel aus der Sowjetzeit, bezeichnet Shturmovshchina (so die englische Transliteration) das panische Erledigen von Sachen in letzter Minute, die man warum auch immer ewig vor sich hin geschoben hat. Und das ist doch ein Gefühl, das wir alle kennen, oder? Ich würde mich selber ja zum König der Prokrastination (auch so ein schönes Wort) ausrufen, aber nicht mehr heute, vielleicht komme ich nächste Woche dazu oder so…

Und so stehe ich mal wieder am Anfang eines neuen Jahres und stelle fest, dass aus den guten Vorsätzen für 2018 wieder nichts geworden ist. Woher kommt mir das nur so bekannt vor… ach ja, richtig, weil’s Anfang letzten Jahres genau so war. Wenigstens lag das Blog nicht ganz brach, seit ich meine Instagram-Bilder automatisch hier crossposte (IFTTT sei Dank).

Ich muss 2019 echt mal shturmovshchinen, also stürmen, also, ihr wisst schon. Mehr Zeit ins Blog investieren. Über Reiseziele schreiben, vielleicht auch mal mehr über Technik, Equipment, Making Ofs. Was halt Fotografen-Blogs so machen, wenn sie nicht brachliegen. Und mich endlich meinem aufgeblähten Lightroom-Katalog stellen, der mir immer noch hämisch die Fotos aus Chernobyl vorhält, an die ich mich immer noch nicht herangewagt habe (scheiß Impostor-Syndrom). Und andere Reisen. Und Shootings. Und zahllose Konzerte. Und ich muss mich wirklich mal am Riemen reißen und aufhören, neue Bilder auf Halde zu produzieren, solange der Backlog nicht halbwegs abgearbeitet ist. Winter wäre ja eigentlich ne tolle Zeit dafür.

Drückt mir die Daumen.

#Chroma 1

Wie ihr vielleicht (aber wahrscheinlich nicht) mitbekommen habt, war ich Anfang Januar in Berlin, um bei einem Workshop mit Nick Fancher mitzumachen. Wer Nick nicht kennt: Er ist ein Fotograf aus Columbus, Ohio, der für seine experimentelle und kreative Lichtsetzung bekannt ist. Von ihm sind die Bücher Studio Anywhere und Studio Anywhere 2: Hard Light, die ich jedem, der sich für die Materie interessiert, nur wärmstens empfehlen kann. Im Sommer erscheint sein neues Buch Chroma, das, wie der Name schon andeutet, auf das Spiel mit Farben ausgelegt ist.

Eigentlich war für Berlin ein „Studio Anywhere“-Workshop angekündigt, aber nachdem alle Teilnehmer keinen Bock auf Grundlagen hatten, sondern vor allem Nicks Farbtechniken lernen wollten, hat er das ganze entsprechend angepasst und so kamen wir (mit etwas Improvisation) in den Genuss des allerersten „Chroma“-Workshops.

Star Girl

Nick hatte für den Tag zwei Models organisiert. Vormittags stand die bezaubernde Sydney LaFaire vor den versammelten Kameras. Nach ein paar Basics (Lichtformer, gerichtetes weiches Licht, invisible black background, Flash und Ambient ausbalancieren) wurde es dann auch recht schnell ziemlich bunt. Der Vormittag reichte erstmal für vier Techniken: „#Chroma 1“ weiterlesen