#Chroma 1

Wie ihr vielleicht (aber wahrscheinlich nicht) mitbekommen habt, war ich Anfang Januar in Berlin, um bei einem Workshop mit Nick Fancher mitzumachen. Wer Nick nicht kennt: Er ist ein Fotograf aus Columbus, Ohio, der für seine experimentelle und kreative Lichtsetzung bekannt ist. Von ihm sind die Bücher Studio Anywhere und Studio Anywhere 2: Hard Light, die ich jedem, der sich für die Materie interessiert, nur wärmstens empfehlen kann. Im Sommer erscheint sein neues Buch Chroma, das, wie der Name schon andeutet, auf das Spiel mit Farben ausgelegt ist.

Eigentlich war für Berlin ein „Studio Anywhere“-Workshop angekündigt, aber nachdem alle Teilnehmer keinen Bock auf Grundlagen hatten, sondern vor allem Nicks Farbtechniken lernen wollten, hat er das ganze entsprechend angepasst und so kamen wir (mit etwas Improvisation) in den Genuss des allerersten „Chroma“-Workshops.

Star Girl

Nick hatte für den Tag zwei Models organisiert. Vormittags stand die bezaubernde Sydney LaFaire vor den versammelten Kameras. Nach ein paar Basics (Lichtformer, gerichtetes weiches Licht, invisible black background, Flash und Ambient ausbalancieren) wurde es dann auch recht schnell ziemlich bunt. Der Vormittag reichte erstmal für vier Techniken:

  • Portraitlicht auf engstem Raum
  • Schatten mit Kontrastfarben ausfüllen
  • mehrfarbige Schatten durch mehrere gegelte Blitze
    (als Bonus dazu gleich noch Blitzen durch Gobos)
  • Projektionen

Dabei fällt mir gerade auf, dass es gar nicht so einfach ist, auf deutsch darüber zu schreiben, wenn man dauernd englische Fachbegriffe im Kopf hat 😀

Andererseits will ich auch gar nicht zu viel technisches erzählen – ich empfehle lieber Nicks Bücher. Die sind eh besser als meine Erklärungen.

Split

Während die erste Übung noch relativ einheitlich ablief, haben die Teilnehmer ab der zweiten Technik haufenweise eigene Ideen eingebracht, an Nicks Lichtsetups herumgespielt, Kleinigkeiten verändert, andere Perspektiven gesucht usw. Es war extrem faszinierend mitanzusehen, wie aus einer vorgegebenen Szene so viele verschiedene Ergebnisse herauskommen. Vor allem beim Einsatz des Projektors haben sich alle so richtig ausgetobt, verschiedene Muster und Bilder benutzt und die wahnsinnige Vielfalt, die sich mit dieser Technik erreichen lässt, ausgereizt. Sydney war allen eine große Hilfe, nicht nur durch das Einbringen weiterer Ideen, sondern vor allem, weil sie extrem locker, zugänglich und trotzdem professionell, schnell und absolut ausdrucks- und posingsicher war. So konnten die Fotografen sich fast ausschließlich auf das technische konzentrieren. Als jemand, der bisher nur mit Privatleuten aus dem Bekanntenkreis Shootings veranstaltet hat, war das natürlich besonders angenehm.

Kostproben von meinen Ergebnissen des Vormittags findet ihr in einer neuen Galerie auf Blende Sechzehn. Über das Nachmittagsprogramm gibt es dann demnächst einen eigenen Post.

2 Gedanken zu „#Chroma 1“

  1. Sehr geile Bilder. Wobei Stargirl mein Favorit ist 🙂

    Bei Mabuse ist mein Hirn kurz explodiert, da ich die Technik und Bücher nicht kenne. Ich habe zwar „Schatten mit Kontrastfarben füllen“ gelesen, aber ohne Hintergrundwissen scheint das Bild unmöglich zu sein 🙂

    Dein Bericht macht mir zumindest Mut, mir vielleicht doch auch mal einen Workshop zu gönnen. Hab halt ein wenig Schiss, dass man sich da als totalen Noob outet und und als Lachnummer raus kommt.

    Ich freu mich auf den nächsten Post

    1. Danke, danke 🙂
      Die Technik hinter Mabuse ist theoretisch relativ einfach, wenn man die Grundlage mal verinnerlicht hat: mehrere farbige Lichtquellen, die zusammengemischt weißes Licht ergeben. Da, wo eine Lichtquelle harte Schatten wirft, ist dann nur das Licht der anderen sichtbar – in der entsprechenden Mischfarbe. Nick hat dazu einen ganz spannenden Gastpost bei Scott Kelby geschrieben: https://scottkelby.com/its-guest-blog-friday-featuring-nick-fancher/
      Und Schiss brauchst du nicht zu haben – solange du nicht den fortgeschrittensten Workshop buchst, den du finden kannst, sind immer „Noobs“ dabei. Und neben einem Teacher wie Nick oder Ben Wong sehen auch hartgesottene Berufsfotografen wie Lachnummern aus 😉

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